Sächsische Zeitung, Ausgabe Dienstag 18.05.2010:
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Grumbach Matthias Scholz tunkt den Pinsel ins Braun-rot und malt die nächsten Blätter an die Wand. Da noch ein Schwung, dort noch ein Pinselstrich. Den ganzen Abend wird er nun so weitermachen. Er schaut sich um. Irgendwo weit hinter ihm, am anderen Ende des riesigen Saals und damit viele Meter weg, ist sein Ziel. "Wir hätten es uns natürlich leichter machen können", witzelt der Mann vom Kesselsdorfer Karnevalsklub. Doch leicht kann jeder, sagten sich die Faschingsfreunde, als sie Mitte Februar die fünfte Jahreszeit hinter sich hatten, der Saal im Grumbacher Hof abgeschmückt war und all die schäbigen Stellen und Ecken so richtig deutlich zu sehen waren. Erneuert werden mussten auf jeden Fall die Aufhängungen für die Technik, das Gerüst für die Lampen, Kabel etc. "Und dann war es wie im eigenen Haus. Eines kam zum anderen", erinnert sich Matthias Scholz. Seitdem wird allabendlich geklotzt. Gemeinsam mit ihrem Vermieter, dem Bauunternehmer Markus Köhler aus Wilsdruff, krempelten die Karnevalisten die Ärmel hoch. Die Elektrik wurde komplett erneuert, die Galerie abgebaut und die Decke saniert. Die alte Baumwollflockbeschichtung an den Wänden kam gleich noch mit runter. "Tagelang haben wir das Zeug abgekratzt", berichtet Vorstandsmitglied Tino Ebert. Helle statt dunkle Wände Vom düsteren Erscheinungsbild ihres Saals - mit schwarzer Decke und lila Wänden - haben sich die Karnevalisten verabschiedet. Nun leuchtet es ringsherum gelb, die Decke ist rotbraun wie auch die Bordüre, an der Maler Scholz so tapfer arbeitet. Als letztes ist nun noch der Bühnenraum dran. Erst vor ein paar Tagen wurde er verputzt, sobald das Mauerwerk getrocknet ist, wird auch hier gemalert. Kurz nach Pfingsten wollen die Karnevalisten mit dem Gröbsten fertig sein. Dann müssten sie nur noch die Galerie wieder aufbauen. Tino Ebert und Matthias Scholz schauen sich um. "Das war ein Kraftakt", meinen dann beide. Am Tag arbeiteten die Firmen, am Abend in ihrer Freizeit die Karnevalsfreunde. "Ohne Unterstützung vom Vermieter und anderer Firmen hätten wir das nie geschafft", lobt Scholz. Er meint das durchaus auch finanziell. Die Firma, in der er als Leiter der Malerabteilung angestellt ist, hat beispielsweise das Material gesponsort. Jahrelang war der Grumbacher Hof ein Schandfleck und der Sanierungsstau im Saal schon fast legendär. Hätten die Karnevalisten nicht auf eigene Faust vieles am Laufen gehalten, der Saal würde möglicherweise gar nicht mehr stehen. Erst als ein einheimischer Bauunternehmer die Immobilie ersteigerte, kam wieder Schwung in den Grumbacher Hof. Inzwischen floriert die Gaststätte wieder, und auch das Vereinsleben hat bessere Bedingungen. Die Generalüberholung des Saals zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch kein reiner Zufall. Die Kesselsdorfer Karnevalisten steuern nämlich auf ihre 40. Saison zu. Schon jetzt, verrät Tino Ebert sei man dafür mitten in der Planung. Abgesehen von den Faschingsveranstaltungen solle es weitere Höhepunkte geben. Beispielsweise ein großes Sommerfest im nächsten Jahr. Zunächst aber sollen im September wieder die Rock Classics über die Bühne gehen. In einem neuen schicken Saal, in den seit dem Eigentümerwechsel richtig Schwung gekommen ist.
Der Verein Gegründet wurde der Karnevalsklub Kesselsdorf 1971.
Heut hat er um die 50 Mitglieder. |